The Cambodia Experience Part 1

„It’s a holiday in cambodia, don’t forget to bring your wife“ – es schallen die Dead Kennedies aus meinen Kopfhörern. Ich reise alleine. Wobei, nicht ganz alleine, Eva, eine Backpackerin aus Graz begleitet mich für die erste Woche meiner Reise. Später wird auch noch Chris aus Sao Paolo unsere Gruppe vergrößern. Der Grenzübergang von Poipet ist dreckig und verstaubt. Ich bin auf dem Weg in Richtung Siam Reap, mit dem Bus aus Bangkok kommend. Der direkte Bus ist der einfachste Weg, um am Landweg nach Kambodscha einzureisen und nicht Gefahr zu laufen am Grenzübergang abgezockt zu werden (fake Visa etc.). Der schwierigste Part der Reise ist geschafft und zwei Wochen Cambodian Mayhem liegen vor mir. Meine Reise wird mich einmal quer durchs Land führen.

Den Start mache ich im touristischen Aushängeschild Kambodschas – Sieam Reap – Heimat der historischen Tempelanlagen rund um Angkor Wat. Dass der Ort förmlich vom Tourismus lebt, erkennt man an den zahlreichen Partymeilen, Nachtmärkten und Hotels. Lignano ist ein Kindergeburtstag dagegen. Chris, der bereits eine Woche in Siam Reap verbracht hat, zeigt Eva und mir die Stadt und jede menge Spots, um billiges Streetfood zu konsumieren. Gebratene Nudeln mit Hühnerfleisch und Ei für einen Dollar – nice! Das Essen ist gut und billig, das Hostel hat einen Pool am Dach – hier lässt es sich aushalten, denke ich mir. Was sich nicht aushalten lies, war der Sonnenaufgang in Angkor Wat. Mit vielen Touristen hatte ich gerechnet, aber diese Anzahl überfordert mich doch. Ich glaube nicht, dass das österreichische Nationalteam jemals so viele Zuseher hatte, wie die Sonne beim erscheinen hinter den Türmen des Angkor Wat Tempels. Dies tat sie aufgrund des bedeckten Wetters an diesem Tag übrigens auch garnicht. Dennoch hüllte sich der Weltberühmte Tempel in ein prächtiges Farbenspiel zwischen violettem Himmel und dessen Reflexion im künstlichen See.

Der Vorteil der großen Tempelanlage lag auf der Hand, denn selbst die schier unüberblickbare Masse an Menschen die sich noch vor Minuten vor dem Haupttempel befand, verlief sich schon bald in den Weiten des Areals. Besonders in den versteckteren Anlagen hat man also seine Ruhe. Unser Tuktuk Fahrer Vichhay, ein ehemaliger Lehrer, gibt uns perfekte Auskünfte über die Historie der jeweiligen Tempel. Wir haben seine Dienste für 15€ pro Person gemietet und kommen dadurch problemlos in der riesigen Anlage umher und werden von ihm überdies mit kaltem Wasser versorgt, was in Anbetracht der Hitze, der steilen Tempelstufen und der zurückgelegten Distanz überlebenswichtig ist. Unsere Tour dauert 15 Stunden und führt uns durch die Tempel von Anghor Wat, Anghor Thom, Baphuon, Phimeanakas, Preah Palilay, Ta Keo, Ta Prohm, Und Pre Rup. Letztere nutzen wir um bei Sonnenuntergang noch einmal den Ausblick von der pyramidenartigen Struktur zu genießen und die klassische südostasiatische tiefrote Sonne zu bewundern.

Abgesehen von den Tempeln ist Siam Reap ein eher unspektakulärer Ort, den abseits der Partymeilen gibt es touristisch nur noch das War Museum, das ich aus Zeitmangel aber auslassen muss, denn schon bald geht meine Reise weiter nach Phnom Penh, die Hauptstadt Kambodschas. Die touristischen Hauptattraktionen hier stammen aus der historisch dunkelsten Zeit Kambodschas. Der Genozid unter dem kommunistischen Diktator Pol Pot in den Jahren 1975 – 1979 kostete etwa 2 Millionen Menschen – etwa einem Viertel der damaligen Bevölkerung – das Leben. Das Killing Field im Süden Phnom Penhs ist eines von tausenden (viele davon bis heute unentdeckt) in Kambodscha. Allerdings ist die Geschichte dieser Orte hier bestens Aufgearbeitet und durch Audioguides in diversen Sprachen auch sehr gut verständlich. Etwa 300 Leichen wurden rund um die Killing Fields ausgegraben. Noch immer werden zur Regenzeit Knochen an die Oberfläche gespült und so stehe ich während der Führung plötzlich neben einem aus dem Boden ragenden Oberschnkelknochen an dem noch die Reste von Kleidung erkennbar sind. Der Besuch stimmte mich nachdenklich und verfehlte seinen Zweck nicht. Die Probleme, die man selbst für essentiell hält, werden ganz klein wenn man realisiert wie viele Leute den Tod fanden, nur weil sie nicht in das Weltbild eines absolutistischen Herrschers passten. Ein Ganzes Land wurde innerhalb von nur fünf Jahren zerrissen, wobei wohl fast keine Familie verschont blieb. Dies wird deutlich, wenn man im Gedenkturm mit den 300 gestapelten Schädelknochen steht.

 

Die gute Nachricht: Die kambodschanische Bevölkerung lässt sich wenig von ihrer dunklen Vergangenheit anhaben, denn die Leute sind herzlich und zuvorkommend – auch wenn der ein oder andere Tuktuk Fahrer seinen Dienst schon recht zwanghaft aufdringen will. Wie schön die Natur im südostasiatischen Küstenstaat sein kann, zeige ich im zweiten Teil des Blogartikels. Aber hier erstmal noch ein paar Eindrücke von Anghor Wat, Siam Reap und Phnom Penh:

 

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