Retro Objektiv Test: Soligor 28 mm f2.8

Vor kurzem hielt ich endlich wieder ein nettes M42 Retro-Objektiv zu Testzwecken in meinen Händen. Ich war äußerst gespannt, auch wenn mein Fotografen-Buddy Karl mir das Ding mit den Worten „Ich glaub damit kannst nichtmal du etwas Anfangen.“ überreichte. Ob dies wirklich so ist würde sich noch herausstellen. Das Soligor Wide-Auto 28mm 1:2.8 stammt aus den späten 60er oder frühen 70er Jahren und war eines der typischen „Weitwinkel“ Objektiven der damaligen Zeit. Die technischen Details der Linse lassen schon ein bisschen erahnen, dass es sich hier nicht um ein top Teil handeln würde, lediglich die Offenblend von f 2.8 weiß zu überzugen.

Hier die wichtigsten Daten:

Brennweite: 28mm
Minimale Blende: f2.8
Maximale Blende: f16
Filterdurchmesser: 58 mm
Naheinstellgrenze: 45 mm
Blendenlamellen: 8
Gewicht: 250 Gramm

 

 

 

Doch Daten und Bilder sind bekanntlich zwei Paar Schuhe. Und wie gut das Glas wirklich ist, lässt sich nur über Fotos sagen. Darum begab ich mich gemeinsam mit Model Anna in die Natur, um zu sehen was die Linse in der Praxis hergibt. Gleich zu Beginn musste ich feststellen, dass das Scharfstellen nicht so einfach und flüssig funktioniert, wie ich es von anderen manuellen Objektiven gewohnt bin. Das lag aber in erster Linie daran, dass die Schärfe des Objektivs in Offenblende wirklich einiges zu wünschen übrig lässt und ich deswegen oft keinen wirklichen Schärfepunkt ausmachen konnte. Zum Glück konnte ich in der Bildbearbeitung noch einiges an Schärfe herausholen und auch den Kontrast und die blassen Farben etwas aufpäppeln. In manchen Situationen bot das Objektiv eine akzeptable Schärfe, aber sobald Streif- oder Gegenlicht im Spiel war, war es damit auch schon wieder vorbei. In diesem Fall versuchte ich im Postprocessing einen „creamy“ Bildlook zu erzeugen, um über die fehlende Schärfe hinwegzutäuschen. Es verlangte schon einiges an Kreativität, dass ich aus dem Objektiv das Optimum bei Portraits herausholte. Besonders bei Top-Down Portraits konnte ich das Bokeh des Objektivs, das ansonsten (wie bei Weitwinkelobjektiven zu erwarten) nicht besonders ausgeprägt war, gut in Szene setzen.

Ansonsten war weder die Haptik noch die Bildqualität überzeugend, so dass ich dieses Stück eher nicht in meine Sammlung von Retroobjektiven aufnehmen werde. Hier haben mich andere Linsen, wie zum Beispiel das Pentacon 50 mm f1.8, weitaus mehr überzeugt! Links zu den anderen Retro-Objektive, die ich bereits getestet habe, findet ihr am Ende dieses Artikels.

 

Weitere Retro-Obejktivtests

Pentacon 50 mm f1.8

Auto Kepkor 28 mm f2.8

Pentor 135 mm f2.8

Helios 44 58 mm f2

Zeiss Pancolar 55mm f1.4

Leave a comment

*

code