Drei Tipps für Tagestrips in Island

Ein verlängertes Wochenende in Island? Klingt erstmal nach einem etwas undurchdachten Plan. Die Flugkosten sind hoch für so eine kurzen Zeitraum, es gibt so viel zu sehen – dafür ist die Zeit einfach zu kurz, man kann in dreieinhalb Tagen kaum entspannen. Das waren so die Hauptargumente, die gegen ein solches Vorhaben sprechen. Doch lasst mich diese Argumente schnell entkräften:

1. Teurer Flug? Es kostete mich zwar etwas Recherche, aber ich fand einen wirklich günstigen Flug mit der ungarischen Fluglinie Wizzair. Für 130€ nach Reykjavík – da konnte ich kaum nein sagen.

2. Zu wenig Zeit? Richtige Planung ist alles. Je früher man startet, desto ungestörter ist man auch bei den ersten Sehenswürdigkeiten. Und an einem Tag mit Action von 06:00 bis 19:00 Uhr lässt sich sehr sehr viel unterbringen.

3. Keine Entspannung? Klar, volles Programm ist anstrengend – sehr anstrengend sogar. Aber es gibt danach auch nichts Entspannederes, als es sich nach einem Tag voller Sightseeing in einer heißen Quelle gemütlich zu machen und zu regenerieren.

So zeige ich euch in diesem Beitrag drei Tagestouren, die gespickt mit Sehenswürdigkeiten, schönen Orten und kurzen Abenteuern sind. Mein Travelbuddie Opie und ich haben diese Touren an drei aufeinanderfolgenden Tagen gemacht und so einen wirklich guten Überblick über Südisland bekommen.

Tour 1: Seljalandsfoss – Vik – Eyjafjallajökull – Sellfoss

Der erste Tag (die Anreise erfolgte am Vorabend, was aber nicht als Reisetag gewertet werden kann) startete für uns in Sellfoss, das wir als Hauptquartier für unsere Tagestrips wählten (es liegt zentral in Südisland und bietet dadurch einen perfekten Ausgangspunkt). Kurz nach Sonnenaufgang befanden wir uns bereits beim berühmten Seljalandsfoss, dessen Areal zu dieser Zeit noch vollkommen menschenleer war. Die Fotos des beeindruckenden 60 Meter Falls kosteten mich einiges an Energie, da ich ein gutes Stück einen Hang nach oben klettern musste, um die perfekte Perspektive zu erwischen. Beim Abstieg musste ich einige Abroller über die schlammigen und rutschigen Wiesen in Kauf nehmen, aber egal, denn die Fotos waren im Kasten.

Weiter ging es in die kleine Ortschaft Vík und ihren schwarzen Vulkanstränden. Perfekte Fotomotive zogen nicht nur mich, sondern auch genügend andere Fotografen an. Nichtsdestotrotz managte ich es ein paar außergewöhnliche Shots in meinem Style festzuhalten. Wenn der Wind entlang der Küste nicht wirklich extrem kühl gewesen wäre, hätte der Ort durchaus länger zum Aushalten eingeladen.

Der Rückweg brachte neben Besuchen von weiteren Wasserfällen (Urridafoss, Skógafoss) noch ein Highlight: Die Wanderung zum „oldest manmade Swimmingpool in Iceland“. Dieser liegt am Fuße des seit 2010 weltbekannten (unaussprechlichen) Vulkan Eyjafjallajökull. Nach einer kurzen Wanderung, es müssen ca. 20 Minuten gewesen sein, erreichten wir den Pool, der wirklich zu einer Erfrischung einlud. Die Lufttemperatur an diesem Tag lag bei zirka 4 Grad, die Wassertemperatur erreichte wohl 25 Grad. Perfekte Bedingungen, nur das Abtrocknen war eine etwas erfrischende Sache. Aber wie oft kann man schon gemütlich, mit Ausblick auf einen schneebedeckten Vulkan, schwimmen?

Tour 2: Geysir – Gullfoss – Bruarfoss – Secret Lagoon

In der Morgendämmerung herrscht eine gespenstische Stille im ohnehin spärlich bevölkerten Island. Umso besser diese Zeit an dem Ort zu verbringen, der als Namensgeber für heiße Quellen weltweit dient. Geysir ist ein mystisch wirkender Ort und den Ausbruch der heißen Quelle wirklich zu hören zu bekommen, das gelingt wohl nur in der absoluten Morgenstille. So genossen wir in aller Ruhe einige Eruptionen des Geysirs (ca. alle 10 Minuten) und erklommen noch den Hügel nördlich des Areals, um die Aussicht auf das dampfende Land im Morgenlicht noch besser genießen zu können. Der weitere Weg führte uns zum naheliegenden Gullfoss Wasserfall (nur ein paar Minuten mit dem Auto entfernt), wo wir allerdings nur kurz verweilten, da ein anderer Wasserfall an diesem Tag im Mittelpunkt stand.

Der Bruarfoss ist ein nicht ganz so bekannter Wasserfall, der auch (im Gegensatz zu den meisten anderen Sehenswürdigkeiten) nicht ganz so einfach zu erreichen ist. Vom Parkplatz neben der Straße 37 führt ein 3,1 Kilometer langer Trail entlang des Flusses Brúará – vorbei an zwei ebenfalls wunderschönen Wasserfällen – zum Bruarfoss, der durch seine türkisblaue Farbe eine ungeahnte Schönheit entfaltet. In unserem Fall war der Trail allerdings alles andere als einfach, da der langsam einbrechende Frühling den Weg in eine Mischung aus Schlamm und Eis verwandelte. So mussten wir eben den ein oder anderen Ausrutscher in Kauf nehmen, was angesichts der ohnehin bereits total verdreckten Ausrüstung auch schon egal war. Nach rund einer Stunde Wanderung hatten sich die Strapazen aber ausgezahlt, denn der Anblick und die Fotos waren und sind absolut fesselnd.

Nach rund drei Stunden am Bruarfoss Wasserfall und dessen Umgebung war es Zeit für einen etwas entspannenderen Tagesabschluss. Und so verbrachten wir, um uns Aufzwärmen, die Muskeln zu entspannen und ein bisschen schwefelhaltige Luft zu Atmen den restlichen Nachmittag in der Secret Lagon in Flúðir. Der älteste Swimmingpool Islands geriet zwischenzeitlich in Vergessenheit, um in den letzten Jahren ein furioses Revival zu feiern. Das 38 Grad warme (und zum teil noch heißere) Wasser lud zum entspannten Seele baumeln lassen ein, sodass ich tatsächlich einmal meine Kamera versperrt im Spind lies und einfach nur meine Ruhe genoss.

Tour 3: Þingvellir – Rejkjavik – Keflavik

Der letzte Tag startete – wie schon gewohnt – vor Sonnenaufgang, denn Johannes, der Besitzer des Hostels in dem wir untergebracht waren, empfahl uns aufgrund des hohen Besucherinteresses einen möglichst frühen Zeitpunkt zu wählen, um den Þingvellir Nationalpark zu besuchen. So waren wir beim Durchstreifen der weitläufigen Landschaft rund um die Grabenbruchzone zwischen Eurpäischer- und Amerikanischer Kontinentalplatte noch beinahe alleine unterwegs und konnten die Ruhe genießen.

Vorbei am Laxness Museum, wo wir einen kurzen Spaziergang einlegten, ging es weiter in die Hauptstadt Rejkjavik. Eine Tour durch die Innenstadt mit all den Sehenswürdigkeiten (Opernhaus Harpa, Sun Voyager Statue, Hallgrimmskirche, Rathaus) dauert zu Fuß zirka ein bis zwei Stunden, was uns dann auch genug war, da ja vor allem die Natursehenswürdigkeiten den Charme Islands ausmachen. Und so verbrachten wir noch einige Zeit damit einfach neben der Straße 41 ein paar Mal zu halten und Spaziergänge in der flachen, surreal wirkenden Landschaft zu unternehmen. Zum Abschluss Stand noch ein kurzer Ausflug zum Vikinger Museum in Keflavik am Programm, bevor der Heimatflug den Kurztrip leider auch schon wieder beendete.

Wer braucht schon gutes Wetter?

Der isländische Wettergott war nicht auf unserer Seite. Aber dies vermutete ich schon aufgrund der Statistik, denn März ist das Monat mit den meisten Regentagen in Island. Dies lies mich und meinen Travelbuddie Opie aber nicht verzagen, denn egal wie trüb und neblig das Wetter auch war, die Landschaft verfehlt es nie zu beeindrucken. Und Postkartenfotos waren ohnehin nicht mein Ziel. Gerade der bedeckte Himmel erzeugte eine Licht- und Bildstimmung, die Ihresgleichen sucht. Lediglich die erhöhte Rutschgefahr wurde mir das ein oder andere Mal zum Verhängnis und so sah ich bereits nach dem Beginn des ersten Tages aus, als hätte ich gerade ein Survivaltraining mit Bear Grillz absolviert. Aber Gewand trocknet und mein Fotoequipment ist zum Glück auch sehr outdorressistent. Kameraputzen, sobald man sich im Trockenen befand, wurde also zur Standardbeschäftigung. Auch wenn der Kurztrip zur Materialschlacht ausartete, kam das meiste meines Equipments auch wieder gut zu Hause an. Lediglich ein verbogenes Stativbein und ein Displaykratzer in meiner Fuji X100 bleiben als Kollateralschaden.

Noch ein paar Island Tipps:

Reisen im Sommer: Da es nachts nicht dunkel wird, kann man das Sightseeing auch wunderbar zu dieser Zeit erledigen. So entgeht man den großen Touristenmassen.

Solltet ihr mit einem Mietwagen unterwegs sein, denkt an die passende Versicherung, man weiß oft nie, was einen hinter der nächsten Kurve erwartet.

Die Supermärkte Bonus, Netto und Kroan bieten mit ihren billigen Eigenmarken eine preiswerte Möglichkeit sich zu ernähren.

Aber nun noch viel Spaß mit meinen Fotos aus Island!

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