Retroobjektiv Test: Voigtländer Color Ultron 50mm f 1.8

Ich liebe M42 Objektive: Hier stößt man wirklich immer wieder auf absolute Schmuckstücke. Ein besonderes Exemplar möchte ich heute etwas genauer unter die Lupe nehmen. Das Voigtländer Color Ultron 50mm f1.8 fiel mir in einem Second Hand Shop für einen Spottpreis in die Hände. Bekanntlicherweise ist die Qualitätsstreueung bei 50mm Objektiven eine sehr hohe, doch diese bewegt sich schon in der absoluten Spitzenklasse was Farbwiedergabe, Schärfe und Kontrast angeht. Aber mal langsam …

Um einen ehrlichen Vergleich zu haben, ließ ich die Linse gegen mein aktuelles Canon 50mm f1.8 sowie das (M42) Pentacon 50mm f1.8 antreten. Hier konnte das Voigtlänger bei einer Offenblende von 1.8 knapp vor dem Canon als Sieger hervorgehen, da die Schärfe in der Mitte ähnlich die die Konkurrenz war, am Bildrand diese aber noch knapp ausstechen konnte. Ja, nichtmal das aktuelle Canon 50mm – aktueller Neupreis immerhin knapp 300€ – konnte hier mithalten. Klar ist das Objektiv mangels Autofokus jetzt noch immer kein andäquater Alltagsersatz für mein Canon, aber dennoch ein Objektiv, dass man sich für besondere Anlässe behalten kann.

Kurz zu den technischen Daten: Das Objektiv wurde von 1974 bis 1982 (unter anderem in Singapur) produziert. Die Optik beinhaltet 7 Elemente in 6 Gruppen und entspricht vom Aufbau auch einigen Zeiss 50mm Objektiven aus dieser Zeit. Die Blendenapparatur besteht aus 6 Lamellen, die allerdings gerundet sind und so auch abgeblendet ein halbwegs rundes Bokeh erzeugen. Die minimale Fokussierungsdistanz liegt bei 45 Zentimetern, also im ähnlichen Bereich der meisten 50 mm Objektive. Die maximale Blende ist f16.

Besonders in der Street Photography erzeugen Retrolinsen immer wieder einen herausstechenden Bildlook – dies ist auch der Grund warum man sich immer wieder mit solchen Objektiven beschäftigen sollte. Sie schulen das Auge und beeinflussen den Stil. Gerade in Zeiten von iPhone „Bokeh“ Filtern, die einen gerechneten und sterilen Unschärfeeffekt erzeugen, sind optische Verzeichnungen und ehrliche Unschärfe noch immer herausstechend für das Auge. Aus diesem Grund testete ich das Voigtländer Color Ultron vor allem im öffentlichen Raum und hielt im Inneren Wiens ein paar Momente gemiensam mit Model Mariia fest.

Fazit:

Das Objektiv macht wirklich Spaß und ist bei richtiger Fokussierung knackscharf. Ein 50mm, das sich auf jeden Fall einen Ehrenplatz in meiner Objektivsammlung verdient hat und nicht zum letzten Mal zum Einsatz kam. Besonders bei Portraits mit Gegenlicht haben mir die retro-wirkenden Lensflares sehr gut gefallen. Zusätzlich ließen sich die Flares wirklich gut Steuern und so als kreatives Bildelement platzieren.

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