Retro Objektiv Review – Vivitar 75 – 205mm 1:3,8

Über Retroobjektive gilt das hartnäckige Gerücht, dass Festbrennweiten Schätze sind und Zoomobjektive maximal als Altglas taugen. Auf Grund einer (frühen) schlechten Erfahrung war ich ebenfalls sehr lange auf diesem Zug aufgesprungen und ließ die alten Zoomlinsen vollkommen aus den Augen. Deshalb testete ich das Vivitar 75-205 auch mit einer gehörigen Portion Bauchweh. Und wurde zum Glück eines besseren belehrt.

Aber wie gewohnt zuerst zu den hard Facts:

Gewicht: 787 g

Minimale Blende: f3.8

Maximal Blende f22

Minimale Fokusdistanz: 35 cm (Marko Modus)

Filtergewinde: 58mm

Elemente: 15 Elemente in 10 Gruppen

Da ich das 75-205 f3.8 von den Spezifikationen am ehesten mit meiner favorisierten Portraitbrennweite dem 70-200 f2.8 vergleichen kann, setzte ich es auch so ein – also bei einem astreinen Fotoshooting mit ausschließlich Naturlicht. So gemacht an einem sonnigen Nachmittag mit Melissa.

Und schon von Beginn an war ich wirklich überrasch von der Linse. Denn die Schärfe des Objektivs war bei Offenblende war absolut zu gebrauchen. Und um wirklich tolle Portraits mit einer Linser dieser Kategorie zu machen, ist die Offenblende zwingend notwendig, denn nur so kann man die Tiefenunschärfe richtig nutzen (Im Vergleich zur Offenblende meines 70-200 f2.8 hat man hier 3 ganze Blenmdenstufen weniger). Auch der Kontrast ist absolut zufriedenstellend und knackig.

Auch beim Versuch ins Gegenlicht zu fotografieren performte das Objektiv durchaus zufriedenstellend und hatte wenig Kontrastverlust. Auch die Farben sind gesättigt, wenn auch nicht ganz so farbenfroh, als bei manch anderen Linsen. Dies tat meiner Freude am Objektiv aber wenig Abbruch, denn auch das manuelle Fokussieren mittels Live-View funktionierte ohne große Probleme und so saß der Schärfepunkt bei vielen Shots perfekt. Lediglich das Nichtvorhandensein eines Bildstabilisators merkt man im Vergleich zu modernen Objektiven. Denn bei einer Brennweite von 200mm braucht man schon ein sehr ruhiges Händchen und/oder eine sehr schnelle Verschlusszeit. Da wir bei strahlendem Sonnenschein shooteten, war dies aber auch kein Problem und mit einer 1/160 Verschlusszeit wurden die Bilder absolut scharf.

Fazit: Ich dachte nicht, dass dies ein Objektiv ist, das in meiner Sammlung bleiben wird, aber ich wurde hier durchwegs eines Besseren belehrt. Ein Objektiv, das sowohl offenblendig, als auch als Makro (wenn auch nicht getestet) verwendet werden kann und auch einen tollen Bildlook erzeugt, sollte man sich durchaus behalten. Sollte ich, warum auch immer, einmal auf mein Tamron 70-200mm f2.8 verzichten müssen, würde ich bei einem Protraitshooting ohne schlechtes Gewissen auf diese Linse zurückgreifen. In den folgenden Bildern kann dies auch gerne noch begutachtet werden.

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