Objektiv Review: TAMRON 35-150mm F/2.8-4 Di VC OSD

Sechs Monate des Überlegens waren vorbei. Ein Preissturz unter die 700€ Schmerzgrenze war der ausschlaggebende Punkt für meine Bestellung des TAMRON 35-150mm F/2.8-4 Di VC OSD. Alle anderen Faktoren sprachen bereits bevor das Objektiv in meinen Warenkorb wanderte dafür. Denn einerseits ist der Brennweitenbereich von 35 – 150mm so gewählt, dass man es als Allroundobjektiv in vielen Situationen einsetzen kann. Vor allem in der Natur, z.B. bei Wanderungen wäre dies ein großer Vorteil, da es das Gepäck massiv reduziert. Auch die exzellente Lichtstärke von f.2.8 – f4 ist ein Pluspunkt, da es durch diese sowohl im Weitwinkel- als auch im Telebereich für ein gutes Bokeh sorgt. Der verbaute Bildstabilisator rundet das Gesamtpaket ab.

Doch werfen wir erst einen Blick auf alle technischen Daten:

Spezifikationen
Brennweite: 35mm – 150mm
Naheinstellgrenze: 45cm
Blende (Offen): F/2.8 (35mm) – F/4 (150mm)
Blende (Geschlossen): F/16 (35mm) – F/22 (150mm)
Blendenlamellen: 9
Filtergröße: 77mm
Gewicht: 796g

Das Tamron ist, in der Kategorie der Universalzooms, eines in einem Pool voller konkurrierender Objektive. Einerseits gibt es hier die 24-70mm F/2.8 Zooms von Canon, Sigma und Tamron (auf anderen Systemen noch von Nikon und Sony), die vor allem durch die durchgehende Lichtstärke punkten, aber am langen Ende der Brennweite deutliche Nachteile haben. Die 24-105mm F/4 Objektive von Canon und Sigma haben zwar einen Brennweitenvorteil im Weitwinkelbereich, allerdings den Nachteil im Telebereich und der Lichtstäke. Daher ist das Tamron 35-150 eine perfekte Kombination aus Zoombereich und Lichtstärke.

Erster Eindruck
Schon vom Unboxing an machte das Objektiv einen – für TAMRON in dieser Preisklasse – hochwertigen Eindruck. Womit ich nicht rechnete, war der sich mitdrehende Zoomring am vorderen Ende des Objektivs. Dies hatte ich so in dieser Form noch nie an einem Objektiv und störte mich bei den ersten Testshots ein wenig, da ich die Finger instinktiv auf den Zoomring legte und so den Autofokus störte. Dies konnte ich mir glücklicherweise nach ein paar Testfotos abgewöhnen.

Um das Objektiv zu testen, machte ich gemeinsam mit meiner Freundin Claudia einen samstäglichen Ausflug ins Salzburger Lungau, um bei einem Winterspaziergang am Prebersee ein paar Portraitfotos im Schnee und anschließend Natur- & Landschaftsfotos zur Blauen Stunde zu machen. Eine perfekte Kombination, um die Vielseitigkeit des Objektivs unter Beweis zu stellen – worauf es mir persönlich sehr ankam. Bei einigen Naturshots am Beginn wurde mir schnell klar, dass 35mm Brennweite eigentlich gar nicht besonders weitwinkelig sind, was für manche Landschaftsfotos ein Problem werden könnte. Während 24mm Brennweite einen horizontalen Bildwinkel von 84° bedeuten, hat man bei 35mm nur noch 63°, was das Framing eines Motivs manchmal schwierig gestalten kann. Über dieses Problem kann man sich aber auch durch die Erstellung von Panoramas Hinweghelfen.

Probleme beim Autofokus
Bei den Portraits machte das Objektiv bei der Fokussierung im Live View eine sehr gute Figur. Wenn ich beim Fotografieren keinen Zeitdruck habe, fotografiere ich sehr gerne im Liveview, da der Autofokus hier bei fast allen Objektiven besser trifft, als der Kontrast AF durch den Sucher. Beim fokussieren durch den Sucher kam das größte Problem des Objektivs zum Vorschein. Denn während der Autofokus bei 35mm und 150mm zwar nicht immer perfekt, aber dennoch ganz ordentlich traf, war er im mittleren Brennweitenbereich (beginnend bei ca. 50mm) meist vollkommen daneben! Der Fokus war nicht nur knapp vorbei, sondern oft um 30-40cm falsch. Dies führte natürlich zu totalem Frust, denn ein neues Objektiv mit solchen Mängeln hatte selbst ich noch nie in den Händen. Natürlich wird dies (vermutlich) ein Einzelfall in der Serie sein, dennoch darf dies bei einem Objektiv in der 700€ Preisklasse nicht passieren. Schnell war mir klar, dass ich dieses Objektiv mit diesem Mangel so nicht behalten werde.

Dennoch wollte ich mein Review vervollständigen und nutzte das Objektiv noch den restlichen Tag, allerdings vor allem mit Liveview Fokus oder manueller Fokussierung. Und wenn der Fokus trifft, sind auch die Ergebnisse sehr gut, wie die Portraitfotos anschaulich beweisen. Der Kontrast und die Farbwiedergabe gefallen mir, und auch im Postprocesing konnte ich coole Bildlooks mit den Fotos umsetzen.

Auch bei den Naturfotos konnte ich tolle Ergebnisse aus der Linse rausholen. Ein Schärfeabfall am Bildrand war bei Offenblende zwar zu bemerken, störte mich allerdings nicht wirklich. So konnte ich einige tolle Aufnahmen von Tamsweg und dem dahinter liegenden Preber bei Sonnenuntergang und zur Blauen Stunde machen. Die fehlende Brennweite im Weitwinkelbereich kompensierte ich wiederum durch die Erstellung von Panoramas.

Fazit
Leider machte mir der inkorrekt funktionierende Autofokus einen Strich durch die Rechnung. So wurde ein Objektiv, welches von den Spezifikationen her die Chance auf eine “Immerdrauf” Linse hatte, ein Fall für den Rücksendedienst. Auch wenn die Fotos mit Liveview Autofokus nahezu perfekt wurden und ich tolle Ergebnisse erzielte, kann man nicht auf den Sucher AF verzichten. Da dieser um Längen schneller arbeitet ist er gerade bei schnell bewegten Motiven unverzichtbar. So muss ich meine Suche nach dem perfekten Universalzoom weiter fortsetzen.

+ Schärfe (wenn korrekt fokussiert)
+ großer Brennweitenbereich
+ Lichtstark für ein Zoomobjektiv

– Ungenauer Autofokus

Testshots:

 

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